Fliegen und bloggen: als Flugbegleiter oder Pilot auf Social Media posten

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Fliegen und darüber bloggen: ich habe meine liebsten Beschäftigungen in meinem Leben als Bloggerin und Flugbegleiterin vereint und könnte nicht glücklicher sein. Damit diese Kombination funktioniert, gibt es aber einiges zu beachten. 

Durch die ganze Welt fliegen und auf Social Media darüber bloggen – eine Kombination die auf Instagram und Co. auf viele Fans stoßt. Schließlich ist der Job von Flugbegleitern und Piloten immer noch etwas ganz besonderes und ziemlich spannend. Jede Woche in einem anderen Land sein, die tollen Hotels, der unbezahlbare Blick aus dem Cockpit und unzählige Fotomotive. Kaum ein anderer Travelblogger hat mehr Möglichkeiten Content für die Follower zu schaffen wie Menschen aus der Airline-Branche!

Wenn du als FlugbegleiterIn oder PilotIn auch mit den Gedanken spielst dir einen Blog zuzulegen und öffentlich auf Social Media über deinen Job zu posten, dann überlege dir vorab folgende Dinge:

Pinit

“All shots taken during non critical flight phases” – Safety und Security haben die höchste Priorität

So toll der Ausblick aus dem Cockpit-Fenster ist: die Sicherheit geht immer vor! Nicht umsonst steht bei ganz vielen Influencer und Bloggern aus der Fliegerei in den Captions der Bilder: “All shots taken during non critical flight phases”.

Das gilt auch für die Transit-Zeiten. In dieser Zeit ist es nämlich unsere Aufgabe Cleaning und Catering zu checken und darauf aufzupassen, dass nichts und niemand auf das Flugzeug kommt, das dort nichts zu suchen hat. Nutzt lieber die Pause oder die Zeit vom Bus ins Hotel um eure Instagram-Story zu bearbeiten und eure Follower am Laufenden zu halten.

Firmengeheimnisse und Flugsicherheit haben nichts auf Social Media zu suchen

Neben der Safety und Security sind auch das Ausplaudern von Firmengeheimnissen ein absolutes No-Go. Dazu zählen die Inhalte der Ausbildung, Informationen die die Flugsicherheit gefährden und sämtliche firmeninterne Infos. In unserem Schulungsgebäude gab es im Bereich der Flugzeug-Simulatoren ein Fotografier-Verbot. In Seminaren zur Flugsicherheit wird immer wieder darauf hingewiesen, dass alle Informationen streng vertraulich zu behandeln sind. Man muss sich bewusst machen, dass diese Infos in falsche Hände gelangen können und damit eventuellen Attentäter die nötigen Infos zu Sicherheitslücken liefert.

Kommerzieller Blog – Verrate nicht bei welcher Airline du arbeitest

Bevor ich euch erzählt habe, dass ich nun Flugbegleiterin bin, habe ich vorab bei meiner Airline nachgefragt was ich posten darf und was nicht. Um hier genaue Regeln festzulegen musste sich nicht nur beim nächster Vorgesetzter was überlegen, sondern auch die Rechtsabteilung hinzuziehen. Social Media ist allgegenwärtig und ein toller Weg um das Image einer Marke nahbar zu machen. So toll diese Sache auch ist, kann nicht alles ungefiltert gepostet werden.

Nutzt man seinen Blog nämlich kommerziell, gibt es einiges zu beachten. Konkret geht es darum, dass jede Marke mit der ich kooperiere von nun an nicht nur zu mir passen muss, sondern auch mit den Werten und Image der Airline vereinbar ist. Jede kommende Kooperation müsste mit der Airline gecheckt werden, vergangene Kooperationen mit anderen Airlines müssten vom Blog verschwinden.

Aus diesem Grund habe ich mich mit meiner Airline darauf geeinigt, euch nicht zu verraten für wen ich fliege. Damit ergibt sich kein Interessenskonflikt und ich bin viel freier in meinen Themen und Kooperationen. Deswegen seht ihr von mir auch nie Fotos in Uniform, keine Logos der Airline oder andere Indizien, die verraten könnten für wen ich arbeite.

Fliegen und bloggen: die Best-Practice Beispiele

Ich möchte euch an diese Stelle ein paar Best-Practice Beispiele Kollegen zeigen, die als Influencer, Podcaster, Youtuber und Bloggern  über ihren Job in der Fliegerei berichten:

Saftschubsen und Autopilot – der Podcast von Charly und Mike über ihr Leben als “interkontinentale Grossraumflugzeug-Stewardess” und Flugschüler.

Be happy and travel – Anni gibt auf ihrem Blog und auf Youtube viele tolle Tipps für angehende Flugbegleiter und hat dazu die Facebook-Gruppe “Become a flight attendant” zum Austausch gegründet.

Maria the pilot – Maria ist Schwedin, lebt in Spanien und fliegt als Co-Pilotin quer durch Europa. Super inspirierend für alle Frauen die ins Cockpit wollen!

Pilot Patrick – hier berichtet Patrick über sein Leben als Kapitän und ist das perfekte Beispiel dafür wie man seinen Arbeitgeber geheim hält.

Auch ich berichte auf Instagram über meinen Job als Flugbegleiterin, ihr findet mich unter @globeastronaut.

Pinit

Privater Blog – Überlege gut was du postest

Ein bisschen anders schaut es mit privaten Blogs aus, mit denen kein Geld verdient wird. Nutzt ihr euren Blog oder eure Instagram Seite als eine Art privates Tagebuch für euch, eure Freunde und Familie, dürft ihr bei einigen Airlines auch Fotos in Uniform posten und öffentlich sagen für wen ihr fliegt. Seid euch dabei bewusst: ihr repräsentiert nun die Airline auch auf eurer Social Media Seite! Auch hier würde ich unbedingt vorab bei der Airline nachfragen was geht und was nicht. Ich habe schon von Abmahnungen und sogar Kündigungen gehört, wenn Leute ungefragt anfangen alles ungefiltert aus ihrem Job rauszuposaunen. Und im ungeschicktesten Fall die Airline dann in einem schlechten Licht darstellen.

Wenn ihr euch unsicher seid ob ihr ein bestimmtes Foto posten könnt, dann macht es im Zweifel lieber nicht. Generell muss auch in diesem Fall alles was gepostet wird zu eurem Job als Pilot oder Flugbegleiter passen. Ein Beispiel: ihr postet jedes Wochenende von wilden Parties, Alkohol und Co. und am Montag kommt ein Bild in Uniform online? Das macht kein gutes Bild und wird von Seiten der Firma!

“Ich bin jetzt Flugbegleiterin” – warte mit diesem Post bis nach deiner Probezeit

Während deiner Probezeit kannst du jederzeit gekündigt werden. Mein Rat: warte erstmal diese Zeit ab,  bevor du öffentlich über deinen Job auf Social Media berichtet. Bestimmt hast du am Ende der Probezeit ein Feedback-Gespräch mit deinem Vorgesetzten. Der perfekte Zeitpunkt um mal Nachzufragen! In meiner Ausbildung gab es sogar einen eigene Vortrag zur Social Media-Nutzung, bei der man ganz viele Fragen stellen konnte.

Fliegen und bloggen: die absoluten No-Gos:

  • Fotos in denen ihr im Bin liegt oder andere akrobatische Übungen mit der Inneneinrichtung des Fliegers macht und damit eure eigene Sicherheit gefährdet oder das Flugzeug beschädigt.
  • Werbung für andere Airlines – besonders dann, wenn ihr öffentlich macht für wen ihr fliegt!
  • Fotos auf denen ihr zu aufreizend in der Uniform aussieht, z.B. im Cockpit sitzend mit ausgestreckten Beinen
  • Sicherheitsverstöße: Ein Bild von euch am Vorfeld vor dem Flugzeug ohne Warnweste
  • Akrobatische Posen in der Turbine, z.B. die Beine in die Luft strecken
  • Bilder oder Videos bei Start und Landung (Ausnahme: viele PilotInnen hängen im Cockpit eine GoPro auf, die automatisch filmt oder fotografiert. In diesem Fall muss aber der Kapitän einverstanden sein.)
  • Sämtliche firmeninternen Informationen oder Informationen die die Flugsicherheit betreffen
  • Und natürlich alles, dass dem Image der Airline schaden könnte

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